Beratung
Jede Frau, die den Schritt ins Frauenhaus schafft, erhält kontinuierliche und individuelle Beratung während des gesamten Aufenthaltes. Wir bieten aber auch Frauen, die nicht ins Frauenhaus ziehen, externe Beratungen an. Wir beraten keine Täter und bieten keine Paarberatungen an.
Im Autonomen Frauenhaus Lübeck werden alle Bewohnerinnen und deren Kinder von einer Bezugsberaterin unterstützt, wobei die Kinder eine eigene Beraterin haben, um deren Bedürfnisse und Anliegen parteilich vertreten zu können. Bei der Beratung und Unterstützung liegt die Sicherheit der Frauenhaus-Bewohnenden immer an erster Stelle, dies geht mit einer absoluten Geheimhaltung der Adresse und persönlichen Daten einher.
Miteinander leben
Mit 47 Plätzen im Autonomen Frauenhaus bietet sich für jede Frau die Möglichkeit, im Haus Neues zu erfahren und zu erproben, um bislang ungelöste Probleme zu bewältigen. Die Enttabuisierung der Gewalt und die Solidarität miteinander spielt dabei eine große Rolle. Nur was ausgesprochen wird, kann sich während des Aufenthaltes verändern!
Bewohnende des Frauenhauses werden als Gestaltende ihrer gewaltfreien Zukunft gefördert und gefordert. Die Beratungsprozesse orientieren sich an Entscheidungen und persönlichem Lebensentwurf jeder_jedes Einzelnen.
Um der Vielfalt der Interessen und Bedürfnisse der Bewohnenden gerecht zu werden ist es zunehmend notwendig, Kooperationen und Vernetzungen auszubauen. Gruppenangebote stärken vorrangig das soziale Miteinander aller Bewohnenden dahingehend, Konflikte verbal zu lösen, Diskriminierungen aufzudecken, Toleranz zu wecken und Solidarität zu fördern. Dazu gehören z.B. Hausversammlungen, Themenabende, Alltagsbesprechungen, Hausorganisation, Sicherheitstraining wie feuergesetzliche Übungen, Mütterabende, Fachgespräche mit Referent_innen (z.B. Gynäkolog_in, Rechtsanwält_in, …), Ausflüge und Freizeitaktivitäten, Feriengestaltung, Familiengespräche, Konfliktlösung in der Gruppe, kreative Workshops, Vernetzung zu Ehemaligen und Kooperationspartner_innen, Rollenspiele, Heimwerken und Kochen; mittelfristige Projekte, wie z.B. die Vorbereitung von Ausstellungen, Unterstützung bei politischen Aktionen, Partizipation in der Entwicklung von Foldern usw.
Die Beratung im Frauenhaus ist individualisiert und kann verschiedene Themen beinhalten
Ein Zuhause ohne Gewalt
Abklärung von Sicherheitsfragen und -plänen
Interkultureller Wohnort Frauenhaus
Stärkung von Eigenverantwortung und Erziehungskompetenzen
Unterstützung bei Trennungsängsten
Begleitung zu Einrichtungen und Behörden (Wohnungsamt, Gericht, Kindergeldkasse, Kinderbetreuung, Schule, Arbeit, …)
Begleitung traumatisierter Frauen bei direkten Angriffen und Gewalt während des Frauenhausaufenthaltes und/oder bei sekundären Traumatisierungen
Migration und Integration, Toleranz und Lebensvielfalt
Entwicklung von Konfliktlösungs- und Bewältigungsstrategien
Gesundheitsfürsorge (u.a. Begleitung zu Ärzt_innen, Psychotherapie, Kliniken, …)
Ausländerrechtsangelegenheiten mit Härtefallregelungen
Ressourcenarbeit
Empowerment- und Partizipationsprojekte
Prekäre Finanzsituationen und Verschuldung
Wohnungssuche
Erwerbstätigkeit, Ausbildung, Fortbildung und Sprachkursen
Kindererziehung und -versorgung
Elterliche Sorge und Umgangsrecht
Kinder
Auch für Kinder ist der Aufenthalt im Frauenhaus eine besonders herausfordernde Situation.
Die Stärkung der Kinder im Frauenhaus basiert auf Partizipation, um ihnen Mitbestimmung und Selbstwirksamkeitsmomente zu ermöglichen. Die pädagogische Arbeit mit den Kindern im Autonomen Frauenhaus ist genauso wichtig wie die Beratung der Frauen.
Kinder und Jugendliche sind Gestalter_innen und Expert_innen ihres Lebensalltages. Natürlich gehen alle Mütter im Frauenhaus weiterhin ihren Erziehungsverantwortungen nach, aber die Kinder und Jugendlichen werden bei ihrer individuellen Weiterentwicklung und Veränderung pädagogisch, durch Bezugsberaterinnen, gefördert.
Kinder haben u.a. ein Recht auf:
Sicherheit und Schutz
Entlastung von Familienproblemen und Schuldgefühlen
Intimität und Privatsphäre
Kontakt zu Familienangehörigen, die nicht im Haus leben
Informationen zur neuen Familienkonstellation
Versorgung, Zuwendung und Anerkennung durch erwachsene Bezugspersonen
Förderung zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit mit eigenen Rechten
Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe
Gewaltfreie Kommunikation
Eigene Ansprechpartnerinnen
Mitgestaltung im Frauenhausalltag, z.B. Kinderversammlung, Freizeitgestaltung usw.
Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit, über ihre mitunter traumatischen Erfahrungen zu sprechen. Sie erleben, dass sie in der neuen Umgebung keine Angst mehr zu haben brauchen. Sie können zur Ruhe kommen und in Gesprächen und im Spiel erfahren, dass trotz der mit der Trennung vom bisherigen Lebensort verbundenen Verluste (Freund_innen, Spielzeug, Haustiere, etc.) allmählich ihre Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit durch positive Empfindungen abgelöst werden.
Die Kinder und Jugendlichen erhalten parteiliche Beratung, Begleitung und Förderung durch ein multiprofessionelles Team, in dem auch männliche Honorarkräfte mitwirken. Dabei bilden gendersensible und geschlechterrollenkritische Einstellungen innerhalb der Mitarbeitenden des Frauenhauses einen wichtigen konzeptionellen und pädagogischen Anspruch, wie auch die Aufarbeitung der individuellen Gewaltgeschichte, die Lebenswirklichkeit und spezifischen Problemlagen der im Frauenhaus lebenden Kinder und Jugendliche Berücksichtigung erfahren. Partizipation und Selbstermächtigungsprozesse bilden weitere pädagogische Prinzipien unserer Arbeit. Gerade für diese Kinder und Jugendlichen sind diese von großer Bedeutung, da sie oftmals in ihren Familien aus Angst vor weiterer Gewalt kaum Mitbestimmungsmöglichkeiten hatten.