Hallo, ich bin Hannah vom Autonomen Frauenhaus in Lübeck. Vielen Dank für die Einladung, heute am Trans Day of Visibility in Lübeck sprechen zu dürfen.
Als Mitarbeiterin des Autonomen Frauenhauses beschäftige ich mich vor allem mit den Auswirkungen von genderbasierter Gewalt. Statistisch betrachtet, sind Trans*- Personen, nonbinäre und intergeschlechtliche Menschen überproportional von genderbasierter Gewalt betroffen. Sie gelten auch in der Istanbulkonvention, die in Deutschland bereits seit 2018 rechtsgültig ist, als schutzbedürftige Gruppe im Sinne des Übereinkommens.
Dennoch hat die CDU sich geweigert, Inter*- Trans*- oder Nonbinäre Personen in das neue Gewalthilfegesetz miteinzubeziehen. Das Gewalthilfegesetzt soll ab 2023 gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern einen rechtlichen Anspruch auf Schutz und Beratung zusprechen. Jedoch hat die CDU damit gedroht das Inkrafttreten zu verhindern, wenn Trans*- Inter*- oder Nichtbinäre Personen darin als Schutzbedürftige Personen mitaufgenommen würden. Die Argumentation basiert auf dem alten und falschen Narrativ, dass somit, nach biologistischer Betrachtung, Männer weibliche Schutzräume gefährden würden.
Die Autonomen Frauenhäuser stellen sich explizit gegen diese Versuche, Frauenrechte und Gewaltschutz gegen den Schutz queerer und trans*-Personen auszuspielen.
Unsere feministische Solidarität bezieht sich auf alle, die von genderbasierter Gewalt betroffen sind!
Bereits seit vielen Jahren finden Trans-Frauen, sowie Cis-Frauen oder auch alle anderen, die sich als weiblich definieren, in Frauenhäusern Schutz und Beratung. Ob ein bestimmtes Frauenhaus für eine bestimmte Gewaltbetroffene die passende Schutzeinrichtung ist, wird mit entsprechender Fachexpertise vor Ort, nach unterschiedlichen Kriterien und Bedürfnissen bewertet. Eine biologistische Grundlage oder der offizielle Geschlechtseintrag spielen dabei keine Rolle.
Leider muss für den Schutz von Frauen, egal ob cis- oder trans, immer noch gekämpft werden. Gerade im derzeitigen antifeministischen Backlash, wo die „Manosphere“ und rechte Männergruppen durch Podcasts, Algorithmen und nicht zuletzt der weltweiten Militarisierung gestärkt werden, ist queer-feministische Solidarität unsere gemeinsame Waffe gegen das Patriarchat!
Wir lassen uns nicht spalten. Frauenrechte müssen immer auch Trans-Frauenrechte sein! Wir kämpfen gemeinsam und solidarisch gegen patriarchale Strukturen!
